Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst e.V.
Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst e.V.

Geschichte

Auf der Suche europaweiten nach einem geeignetem Standort für ein 20 Quadratkilometer großes Versuchsgelände der Atomforschungsanstalt CERN (Conseil européen pour la Recherche nucléaire) richteten sich die Blicke der Wissenschaftler auf der Ebersberger Forst. Unbemerkt von der Bevölkerung begann man 1962 mit ersten Untersuchungen, ob die Untergrundverhältnisse für den Bau eines 300-Giga-Elektronen-Volt-Protonen-Synchrotrons geeignet wären. 1963 wird im Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung das Für und Wider des Standorts Ebersberger Forst erörtert. Die Planungsmaschinerie läuft auf Hochtouren, als die bayerische Staatsregierung schließlich 1964 den Ebersberger Forst als geeigneten Standort vorschlägt. Dabei hatte das Landratsamt Ebersberg in einer Stellungnahme klargestellt, dass ein derartige Anlage mit ca. 10 –15.000 Beschäftigten landesplanerischen, wasserwirtschaftlichen und klimatischen Gründen völlig indiskutabel sei.

 

Erst im Dezember 1964 keimt allmählich der Verdacht auf, dass den Menschen im Landkreis ein Kuckucksei untergeschoben werden soll. Abgeordnete im Landtag fragen. ob Bundeswehr oder NATO ein Versuchsgelände im Ebersberger Forst planen, oder dort ein Flugplatz gebaut werden soll. In der Ebersberger Zeitung erscheinen zahlreiche Artikel von Hans Sponholz die allgemein auf die große Bedeutung des Waldes für die Menschen hinweisen und speziell betonen, dass im Gegensatz zu allen anderen Wäldern im Großraum München der Ebersberger Forst noch nicht zerstückelt ist.

 

Anfang Januar 1965 wird das Vorhaben durch eine Radiomeldung publik und löst einen Entrüstungssturm im Landkreis aus. Lokalpolitiker aller Parteien, der Deutsche Naturschutzring, die Untere Naturschutzbehörde, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Vollversammlung des Münchner Stadtrats und viele andere erheben ihre Stimme gegen die von Ministerpräsident Alfons Goppel und seinem Landwirtschaftsminister Alois Hundhammer befürworteten Anlage. Unter Leitung von Hans Sponholz bildet sich zunächst eine lose Interessengemeinschaft. Im Herbst 1965 entsteht die Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst als eingetragener Verein mit rund 270 Mitglieder. Die Gegner des Atomforschungsprojekts organisieren Protestkundgebungen in vielen Landkreisgemeinden, schreiben Protestbriefe bis an die CERN in Genf, erstellen Broschüren („Wald in Gefahr“, „Hände weg vom Ebersberger Forst“ und in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz „Der grüne Spiegel“ ) und nutzen jede Gelegenheit, um auf die geplante Zerstörung ihres Lebensraums aufmerksam zu machen. Auf dem Höhepunkt einer fortschrittsgläubigen Zeit kämpfte die Schutzgemeinschaft mit für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Mitteln und heute noch aktuellen Argumenten für die Bewahrung der heimischen Natur. Sie kann zu Recht für sich in Anspruch nehmen ein Vorreiter von Bürgerinitiativen und Graswurzelbewegungen späterer Jahrzehnte gewesen zu sein.

 

Letztendlich mit Erfolg. Im März 1967 erreichte den Ebersberger Landrat Dr. Streibl schließlich ein Schreiben des Ministerpräsidenten, dass der Vorschlag, einen Protonenbeschleuniger im Ebersberger Forst zu erreichten, nicht weiter verfolgt wird.

 

Auch wenn bis zur Gegenwart nie wieder ein so gigantisches Projekt im Ebersberger Forst geplant wurde, war doch die stete Wachsamkeit der Schutzgemeinschaft gefordert. So gab es in den 70er Jahren Überlegungen eine neue B 12 Trasse mitten durch den Forst zu legen. Immer wieder wird die Forderung laut, die Kirchseeoner Umgehungsstraße (B 304) durch den Forst zu legen und auch andere Anrainergemeinden melden regelmäßige Straßenbau-Wünsche an, die den Forst zerstückeln würden, sodass auch in Zeiten, wo sich jeder Klimawandel und Umweltschutz auf die Fahne geschrieben hat, die Aufgabe der Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst noch lange nicht erledigt ist.

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