Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst e.V.
Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst e.V.

Entsetzen über Pläne für neue Straße

Schutzgemeinschaft sieht Forst in Gefahr

Widerstand mit allen gesetzlichen Mitteln angekündigt / Straßenbauamt: Naturschutz ist keine "Rote Karte"

Von Eberhard Rienth

Landkreis Die Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst hat massiven Widerstand gegen den Vorschlag der Schwaberwegener "Bürgerinitiative Staatsstraße 2080" für eine Querverbindung von Reitgesing zur Autobahn bei Anzing angekündigt. Gegen die Trasse will man mit allen "gesetzlich zulässigen Mitteln" vorgehen. Dass große Teile des Forstes unter Naturschutz stehen, ist laut Claus-Peter Olk vom Straßenbauamt Rosenheim jedoch kein Hindernis.

 

Der Ebersberger Forst ist nicht nur Bannwald und Wasserschutzgebiet, große Teile sind von der EU außerdem als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ausgewiesen und stehen damit laut Schutzgemeinschaft unter höchstem gesetzlichen Naturschutz. Diese Klassifikation könne jedoch "übersprungen" werden, so der Leiter des Straßenbauamts zur Ebersberger SZ. Im Vergleich zum Bannwald allerdings liege "die Latte etwas höher", so Olk.

 

Dies bedeute keine "rote, jedoch eine gelbe Karte". "Man muss gute Gründe haben, wenn man in ein FFH-Gebiet eingreifen will. Da lässt sich mit einem bloßen Federstrich nichts abwiegeln, sondern müssen intensiv Hausaufgaben gemacht werden." Laut Olk wird der Vorschlag der Schwaberwegener Bürgerinitiative wie alle anderen Ideen bei der Suche nach einer Verkehrsentlastung für Ebersberg und Schwaberwegen "ergebnisoffen" geprüft.

 

Nachdem die Ebersberger SZ über die neue Planungsvariante berichtet hatte, meldete sich die Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst mit einer Erklärung "Rettet den Ebersberger Forst" zu Wort. Darin kündigt sie an, "mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln" gegen eine solche Trassenführung vorzugehen. "Wir sehen in diesem Vorhaben den größten Angriff auf den Forst seit dem in den 60er Jahren geplanten Bau eines Protonenbeschleunigers." Nun stehe die zweite große Zerstörungswelle an. Denn es würden seitens der Stadt Ebersberg sowie den Orten Schwaberwegen und Kirchseeon "Trassen durch den Wald geplant, die am Ende vom Ebersberger Forst nicht mehr übrig lassen als Puzzleteile", schreiben die beiden Vorsitzenden Kerstin Mertens und Veronika Schantz.

 

Der Wald sei am gesamten Südrand und seinen östlichen Teilen nicht nur FFH-Gebiet, sondern außerdem Bannwald, Wasserschutz-, Naturschutz- und Klimaschutzgebiet. Die Bechsteinfledermaus und die Gelbbauchunke seien im Forst angesiedelt. Sie stünden auf der Roten Liste der bedrohten und besonders schutzwürdigen Arten in Europa. Die Zerstörung dieser Biotope könne nicht mit ein paar Ausgleichsflächen verrechnet werden, die Jahrzehnte benötigten, um sich zu passenden Lebensräumen zu entwickeln, argumentieren die beiden Straßengegnerinnen.

 

Die Schutzgemeinschaft kritisiert auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, die sich für eine Prüfung der Trassenvariante ausgesprochen haben. Kommunalpolitiker sollten verstehen, dass Lippenbekenntnisse nicht ausreichten, die Umwelt für den Mensch zu schützen. "Ist fließender Verkehr wichtiger als Klimaschutz, Naturerhaltung und Artenvielfalt?", fragen Mertens und Schantz. Der Forst dürfe keiner schnellen und billigen Lösung zum Opfer fallen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.250, Dienstag, den 30. Oktober 2007 , Seite 1

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